Goldpreis 27 % unter Rekord: Warum fällt der sichere Hafen?

Viele kaufen Gold, wenn ihnen die Aktienmärkte Sorgen machen. Im Oktober hat Gold aber mehr verloren als Aktien: Der Goldpreis fiel auf 3.899 $ je Unze und damit auf den tiefsten Stand seit rund einem Jahr, während der S&P 500 im ganzen Monat nur 0,9% abgab.

Vom Rekord bei 5.318 $, aufgestellt Ende Januar, ist Gold damit 27% entfernt.

Oktober seit Jahresbeginn
Gold -6,9% -10,2%
S&P 500 -0,9% +10,7%
Tabelle: So haben sich Gold-Futures und S&P 500 bis zum Handelsschluss am 30. Oktober 2026 entwickelt. Kurse von Yahoo Finance, berechnet von MKViz.

Wer in diesem Jahr aus Sicherheitsgründen von Aktien in Gold umgeschichtet hat, steht also doppelt schlecht da: Das Gold ist weniger wert, und die verkauften Aktien liegen in den meisten Fällen seit Januar im Plus.

Warum fällt der Goldpreis?

Gold fällt vor allem wegen der Zinsen. Es bringt Ihnen nichts ein, solange Sie es halten, ein Sparkonto oder eine Staatsanleihe dagegen schon. Rechnen die Anleger damit, dass die Zinsen länger hoch bleiben, wächst der Zinsertrag, auf den man mit Gold verzichtet, und manche Besitzer verkaufen.

Im Oktober hat sich diese Erwartung verfestigt. Der Ölpreis stieg den vierten Monat in Folge, und neue Zahlen aus den USA zeigten, dass die Inflation im September wieder anzog, weil Benzin teurer wurde. Die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank ließen die Zinsen in derselben Woche zwar unverändert, warnten aber vor Preisdruck durch Energiekosten. Ökonomen rechnen seitdem eher mit einer Zinserhöhung in den USA im Dezember.

Analysten nennen noch zwei weitere Gründe. Die Commerzbank hält es für möglich, dass der heftige Einbruch bei Tech-Aktien Anleger, die auf Kredit investiert hatten, dazu zwang, andere Anlagen zu verkaufen, auch Gold, um ihre Verluste zu decken. Außerdem hielten sich die Käufer zurück: In Indien warteten viele mit dem Kauf auf noch niedrigere Preise, und in China, dem größten Abnehmer, blieb die Nachfrage schwach.

0%31. Dezember30. OktoberGoldS&P 500● S&P 500 +10,7%● Gold -10,2%
Grafik: Veränderung seit Ende 2025, bis 30. Oktober 2026. Datengrundlage Yahoo Finance, Rechnung von MKViz.

Warum Gold diesmal keinen Schutz bot

Gold steigt oft, wenn Aktien fallen, aber meist dann, wenn die Angst einem Crash, einem Krieg oder einer Krise gilt. Diesmal fürchtet der Markt vor allem, dass die Zinsen hoch bleiben, und das schadet Gold genauso. Deshalb fielen beide gemeinsam, statt dass das eine die Verluste des anderen abfederte.

Es verkaufen allerdings nicht alle. Laut World Gold Council kauften die Zentralbanken im zweiten Quartal 289 Tonnen Gold, so viel wie noch nie in diesem Quartal. Aus Fonds, über die Privatanleger in Gold investieren, flossen in denselben Monaten 45 Tonnen ab.

Zentralbanken kaufen in der Regel, um das Gold über Jahre zu halten, Fondsanleger reagieren stärker auf die Zinsen. Wachsen die Zinssorgen, schlagen sich deshalb vor allem die Verkäufe aus Fonds im Preis nieder.

Ist Gold jetzt billig?

Es kostet weniger als im Januar. Nur weil der Preis unter dem Höchststand liegt, ist Gold aber noch nicht billig.

Ein Rückgang um 27% sagt Ihnen, wie weit Gold von 5.318 $ entfernt ist, nicht aber, ob 3.899 $ ein angemessener Preis ist. Wenn die Zinssorgen Gold nach unten gedrückt haben, dann sind diese Sorgen weiter da, und deshalb halte ich weitere Verluste für möglich. Wo der Boden liegt, kann ich allerdings nicht sagen.

5.318 $Rekordschluss, 29. Januar
3.899 $Schlusskurs, 30. Oktober
2,91%Veränderung zum Vorjahr
Grafik: Preis der Gold-Futures je Unze. Datengrundlage Yahoo Finance, Rechnung von MKViz.

Ich kann mich durchaus irren. Die Commerzbank hält den Rückgang für übertrieben und rechnet mit einer Erholung. Wird Öl billiger und eine Zinserhöhung im Dezember unwahrscheinlicher, fällt der wichtigste Grund für den Rückgang weg, und die Zentralbanken haben bis zur Jahresmitte weiter kräftig gekauft.

Es kommt auch darauf an, wann Sie gekauft haben: Gegenüber dem Vorjahr liegt Gold nur 2,9% tiefer. Richtig weh tut es also denen, die nahe am Januar-Hoch eingestiegen sind.

Was ich getan habe und was Sie prüfen sollten, wenn Sie Gold besitzen

Ich selbst besitze kein Gold. Den Teil meines Geldes, der für Sicherheit sorgen soll, habe ich in Dividendenfonds angelegt, die auch dann weiter Erträge ausschütten, wenn die Märkte fallen, und Gold schüttet nichts aus.

Als die Schlagzeilen kamen, habe ich mir die Kurse selbst angesehen: Zum Schlusskurs am 30. Oktober 2026 kostete ein Gramm Gold etwa 125 $. Gekauft oder verkauft habe ich nichts.

Um einzuschätzen, wohin sich Gold bewegt, schaue ich nicht nur auf den Goldpreis, denn dann läuft man dem Kurs hinterher, ohne zu wissen, warum er sich bewegt. Ich beobachte stattdessen den US-Realzins, also den Zins, der nach Abzug der Inflation übrig bleibt. Er zeigt sich in der Rendite inflationsgeschützter US-Staatsanleihen.

Dazu verfolge ich den Dollar und den Ölpreis. Sinken Realzinsen und Ölpreis oder wird der Dollar schwächer, ließe der wichtigste Druck auf Gold nach.

Wenn Sie Gold besitzen, prüfen Sie diese Woche eine einzige Zahl: wie viel Sie bekämen, wenn Sie es heute verkauften. Das ist nicht der Preis aus den Nachrichten, und für dieselbe Unze Gold erhalten Sie je nach Form sehr unterschiedliche Beträge.

Was Sie besitzen Was Ihren Verkaufserlös schmälert
Barren oder Münze Der Händler kauft unter dem notierten Preis an
Ring oder anderer Schmuck Bewertet wird nur der Goldgehalt (Gewicht und Feinheit), die Kosten für die Verarbeitung bekommen Sie nicht zurück
Goldfonds Gebühren, dazu Steuern auf den Gewinn, je nach Wohnsitzland
Tabelle: Darum weicht Ihr Erlös vom Goldpreis ab. Quelle: MKViz.
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Schließt Gold Ende November höher als Ende Oktober?

Auflösung: Schlusskurs der Gold-Futures am 30. November 2026 · Lesermeinungen, keine Anlageberatung.

Quellen